Textbeispiele

aus "barfuaß schmatzn" (2008):

Und heut?

 

In Paradies habm s Äpfe gstohjn,                                             

da Adam und sei Eve.

Aus is s net gwen, waarn aba gfojn -

doch gstraft han s wordn, se hättn s net sojn;

schwaar habm s na büaßt, den Freve.

 

De Götta in GermanenLand

- und dGriechn warn no schlimma -

habm Weiba gstohjn mit stoarka Hand,

de Unschujd graubt mit Tricks und Schand,

und ankinnt hast eah nimma.

 

De Füarstn na, aa geistle Herrn,

an Zehent habm s eignumma;

ja Viecha gstohjn und Ruabm und Kern,

da gab s koa Gnad, koa Aufbegehrn -

de Kloana warn de Dumma!

 

Kaam moanst, de Leut waarn aufgeklärt,

habm s Diktatorn erfundn.

Mit Gwojt und Kriag habm s ummagkehrt,                   

sich um an Menschn nixe gschert,

vej Leben gstohjn, ausgschundn.

 

Und heut?

                    Heut schaut des andast aus.

Von „Stehjn“, da schmatzt goar koana.                         

Konsum und Spaß und Fortschritt, Saus,

de ziahgn da dSeej von Körpa raus,                             

und spannst a s kaam - -

                                         - - zon Woana!

 

 

 

aus "Wer Augen hat ... zu hören" (2012):

 

Zur Mitternacht

 

Manchmal,

zur Mitternacht,

manchmal, da

sattle ich mein Pferd:

Chorus, den Rappen.

Mit dem Mond nur

ziehen wir über Hügel

wortlos verhaltenen Schritts,

tastend durch feuchte Wiesen.

 

Mit löchrigen Schatten

wanken wir den Steig durchs Moor,

den Chorus nur kennt,

Schritt für Schritt ermessen,

gerochen, geduckt,

zwischen Dunst, Feen und Weh.

 

Erahnt nur der Pfad

hinüber zum See,

wo Chorus, der Getreue, sich erlabt

für seinen späten Weg

zur Mitternacht

hinter die Schwaden der Gewohnheit,

hinein in die Ohnmacht des Traums;

hinunter,

manchmal,

suchend hinunter

weit in den Zweifel des Verstands.

 

Einmal

wird es uns gelingen:

vorzudringen bis zum Styx.

 

 

 

aus "Donau-Gedichte" (2015):

 

Von der Freiheit der Wasserkünste

 

Keiner greift mich

Keiner hält mich

     Frei mein Wesen, meine Gestalt

 

Ich plane nicht

Ich vergelte nicht

     Frei mein Fließen, mein Sinn

 

Schön bin ich heute

Doch grausam zuweilen

     Frei meine Anmut, meine Kraft

 

Nur widerwillig

Nur unbestimmt

     Meine Wege, mein Tun

 

Niemand kennt meine Quelle

Niemand setzt meine Mündung

     Frei meine Geburt, mein Vergehn

 

Alles

Alles nur Kunst

Alles nur Kunst des Augenblicks

Wasserkünste

     Voller Freiheit und Übermut

 

 

 

aus "... hat Dasej gsagt ..." (2018):

 

Wenn ma denn ojsse glaubm kunnt,

wos ma so glaubm sojtat

… hat dasej Philosoph gsagt …

na brauchat ma ja sDenga goar nimma.

 

Ja, a söchas Glück

… hat dasej Einbrecha gsagt …

dass dö wieda den gleichn Tresor kauft habm.

 

Moargn werd zamm gsitzt

dass de Asylantn wieda wegga kemmand

… hat dasej Voreins-Vorstand gsagt …

bon oban Wirt – glei nach da Kirch!

 

Je weida südlich von Nabl so a Buach is

… hat desej Vokäufarin gsagt …

um so bessa gengan s weggad.

 

So a Bolitiga muass se aa min Wedar auskenna

… hat Dasej gsagt …

vor allem mit de Windrichtungan.

 

Oh-mei, wos hat ma da an de Hosn higflickt

… hat Desej gsagt …

heit brauchst dih wegar an Loch nimma scheniarn.

 

Mit de Kindar is des so a Sach:

de oana gradnd – und werdn Untanehma

… hat Dasej gsagt …

de andan werdn Künstla – aba kemma toan s zo nix.